Arbeit ohne Grenzen

Arbeit ohne Grenzen

Wie uns die Welt 4.0 verändert

31/12/2019
6 min
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Ersetzen Sie, geschätzter Leser, Comanche durch den Marvel Comic-Helden Captain America und das Automobil durch den ersten humanoiden Roboter Sophia, dem Saudi-Arabien 2017 die Staatsbürgerschaft verliehen hat, und wir befinden uns im Jetzt. Nur, Comanche war es vermutlich egal, dass seine Artgenossen bald arbeitslos sein könnten.

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Feind der Menschen – Künstliche Intelligenz

Die Menschheit ist derzeit in der Frage, ob intelligente Maschinen unsere Jobs wegnehmen werden, gespalten. Laut einer Studie des Weltwirtschaftsforums werden bis 2022 weltweit 75 Millionen Jobs wegfallen. Derzeit werden noch 71 Prozent der Arbeitsstunden von Menschen verrichtet, doch in wenigen Jahren soll dieser Wert auf 48 Prozent sinken. Mehr als die Hälfte der Arbeit wird dann von Maschinen und Algorithmen erledigt. Aber was bedeutet das eigentlich genau, und ist das wirklich bedrohlich?

Produktion der Zukunft

Produktion in der Zukunft

Mensch, der Wandlungskünstler

Ein Blick in die Vergangenheit kann Aufschluss bringen, denn derartige Umbrüche haben wir schon mehrfach erlebt. Blicken wir zurück in die Zeit, als Menschen noch als Jäger und Sammler lebten. Jeder Tag ein Kampf ums Überleben, logisches Denken, Überlisten und Taktieren waren Fähigkeiten, die man für die Jagd brauchte. Als der Mensch sesshaft wurde und das Jagen und Sammeln in den Hintergrund rückten, wurden neue Ressourcen und Energien frei. Der Mensch begann Siedlungen zu bauen, Felder zu beackern und Nutztiere zu halten. Man brauchte neue Fertigkeiten und neues Wissen. Das Leben der Menschen veränderte sich radikal.

Geht man einen großen Schritt weiter, in die Mitte des 18. Jahrhunderts, beginnt mit der Baumwollverarbeitung und Tuchproduktion das Zeitalter der Industrialisierung. Der Engländer James Hargreaves entwickelte 1764 die so genannte Spinnig Jenny und beeinflusste das Leben der Menschen grundlegend. Sie war die erste industrielle Spinnmaschine in der Geschichte der Technik und ersetzte acht Spinner und einen Weber. Die Technik verbreitete sich rasant und begann die Landwirtschaft zu verdrängen, während der Ausbau von Eisenbahnnetzen, großen Dampfschiffen und die Erfindung des Automobils und der Luftschifffahrt den weltweiten Warenhandel revolutionierten.

Erneut änderten sich die Ansprüche, während das Alte wich, wurden Ressourcen für das Neue frei. Die industrielle Massenproduktion ersetzte zunehmend die Handwerker. Diese strömten in Massen in die Großbetriebe, da sie arbeitslos waren. Die industrielle Revolution war in vollem Gange, es wurden Kapitalgesellschaften und Großbanken gegründet um die neuen Entwicklungen zu finanzieren.

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Sinnsuche bei der Arbeit

Verkürzt gesagt: Es kamen Fernsehen, Computer und Internet, allen wurde keine Zukunft prophezeit. Doch die neuen Technologien haben letztlich dazu geführt, dass sich das Verhalten und die kognitiven Ansprüche der Menschen veränderten. Denken Sie an ein Navigationsgerät, Orientierung ist für die neuen Generationen überflüssig, sie werden dieses Hirnareal anderweitig nutzen.

Die Generation X will auch von den alten Arbeitsstrukturen, die sich noch an alten Fabrikszeiten orientieren, nichts wissen. Acht Stunden Arbeit, acht Stunden Freizeit und acht Stunden Schlaf: Dieser Rhythmus ist längst überholt. Heute muss alles ein Spiel sein, meint Neurobiologin Silvia Fluch. Die Trennung von Arbeit und Freizeit wird aufgehoben, vielmehr wird Arbeit in den Alltag integriert und die ganze Welt zum Spielplatz. Genau aus diesem spielerischen Zugang heraus entwickeln wir uns weiter. Die technischen Errungenschaften werden diesen neuen Anforderungen gerecht und rufen gleichzeitig erneut Änderungen hervor.

Was immer sinnstiftend ist, wird angestrebt. Nehmen wir den Freizeitsport, denn Freizeit ist heute ein wesentlicher Bestandteil des Lebens. Er wird ständig perfektioniert, aus Klettern und Skifahren wurden Extremklettern oder Helikopter-Skiing. E-Bikes, selbstfahrende Autos, selbstschreibende Programme, sie sind ein Spiel um die Zeit. Dieses Spiel kreiert ganz nebenbei neue Berufsfelder, für die jüngeren Generationen ein fließender Verlauf. Schwieriger wird es auf den ersten Blick für ältere Generationen, obwohl das nicht notwendig wäre. Sie haben ein Grundwissen, das genau in Übergangsphasen dringend benötigt wird. Es baut auf Erfahrung auf und ist nur über die Zeit erlernbar.

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Digitalisierung kann sich auszahlen

Trend- und Zukunftsforscher Tristan Horx, vom Zukunftsinstitut, sieht in der Digitalisierung vor allem eines: Chancen. Er denkt, dass das soziale Leben wieder in den Vordergrund treten wird. Genau das, was Maschinen nicht können - zumindest noch nicht. Gerade in Bereichen wie der Pflege oder dem Bildungssystem erfahren wir einen massiven Mangel an Arbeitskräften. Würde man diese Berufsfelder finanziell aufwerten, könnte eine Verschiebung stattfinden.

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Alles hat seinen Preis

Die Entwicklung, die wir als menschliche Rasse im vergangenen Jahrhundert durchgemacht haben, ist enorm, und sie hatte ihren Preis. Klimawandel und Umweltkatastrophen sind die Folgen auf unsere Aktionen. Ausgerechnet die digitalen Fortschritte könnten die Lösung beinhalten. Laut einer Studie von PwC gemeinsam mit dem World Economic Forum, haben digitale Technologien, allen voran AI, das größte Potenzial, dem Klimawandel und der Umweltzerstörung zu begegnen. Laut Hendrik Fink von PwC könnten wir uns am Beginn einer Nachhaltigkeits-Revolution befinden.

Dabei ist es nicht so, dass wir uns in einer Veränderungsphase befinden, Veränderung findet ständig statt, sie ist fließend. Es gibt einen inneren Drang, der den Menschen dazu bringt, sich ständig weiter zu entwickeln. Gleichzeitig haben wir große Probleme, Altbewährtes loszulassen. Dieser Zwiespalt führt zu Krisen. „Wir lernen durch gesellschaftliche und individuelle Krisen. Krisen sind eigentlich Chancen auf Transformation. Als solche muss man sie auch wahrnehmen, dann kann man sich auch ein bisschen entspannen”, meint Tristan Horx.

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Unterschätztes Berufsfeld: Entspannung

In der Entspannung liegt derzeit im Übrigen auch ein großes neues Berufsfeld. Hektik, Lärm und Informationsüberfluss verlangen nach Gegenbewegungen. Es ist kein Zufall, dass Yogalehrer, Atemtrainer oder Feng-Shui-Berater auf dem Vormarsch sind. Diese Berufsfelder könnten sich noch erweitern, in Form von Life-Style-Managern, Astrobiologen oder Erlebnispädagogen. Im Bereich der Technik könnten Berufe wie 3D-Künstler, Abfallwirtschaftstechniker, Internet Scout oder Wissensmanager an Bedeutung zunehmen. Oder denken Sie an Identity-Coaches, Trauerritualisten und Europa-Assistenten.

Offenheit für Veränderungen

Der Mensch ist ein kreatives Wesen und die Arbeit wird uns nicht ausgehen, die frei gewordenen Ressourcen, die uns derzeit redundante Vorgänge abnehmen, wollen genutzt werden. Wenn sich das Individuum darüber klar wird, dass Aktionen bestimmte Reaktionen hervorrufen, könnten wir uns sogar über die materielle Ebene hinaus entwickeln. Das wichtigste ist es, darin sind sich Neurobiologin Silvia Fluch und Zukunfts- und Trendforscher Tristan Horx einig, sich nicht vor dem Wandel zu verschließen.

Das Erlernen dieser neuen Technologien und das Interesse daran sind wichtig. Manche sagen heute noch: „Ich brauche kein Handy“ und drehen den Computer gar nicht erst auf. Dabei wäre das wichtig, um in Kommunikation zu bleiben. Die darf nicht abreißen, jüngere Generationen lernen aus der Erfahrung der Älteren. Sie sind es, die die Richtung der Veränderung vorgeben sollten, und genau in der Verbreitung des Technologieverständnisses liegen bereits neue Berufungen, die nur wahrgenommen werden wollen. So gesehen liegt nicht nur das Geld sprichwörtlich auf der Straße, sondern auch neue und altbewährte Berufe.

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