Megablitz Wiener Prater

Schnell wie der Blitz…

…und vierfach gesichert

03/09/2019
4 min
KOMMENTIEREN TEXT ALS PDF

Der Adrenalinspiegel steigt, der Puls schnellt nach oben und die Beine werden weich – noch bevor es eigentlich losgeht. Dieser Gemütszustand, wenn man in eine Achterbahn steigt, ist ein ganz besonderer – das teilen Jung und Alt. Einmal losgelassen, gibt es kein Zurück mehr. Es geht rauf und runter. Immer wieder. Und dabei werden außergewöhnliche Kräfte frei –
fast wie in der Formel 1.


Alexander Braun weiß das nur allzu gut. Er ist Geschäftsführer des „Megablitz“ im Wiener Prater. Ein paar Zahlen genügen, um die Faszination der Achterbahn zu verdeutlichen: „Bei einer teilweisen Steigung von rund 61 Prozent sind Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 70 km/h möglich. Dabei wird man aufgrund der bis zu 4-fachen Erdanziehungskraft richtig in die Sitze gepresst“, sagt Braun. Und spätestens dann werden die Stimmbänder bei den meisten nicht mehr geschont. Nicht ohne Grund ist der 550 Meter lange „Megablitz“ auch als schnellste Familienhochschaubahn im Prater bekannt.

Vom Jagdrevier zum Vergnügungspark

Über 250 Jahre hat der Wiener Prater nun bereits auf dem „Buckel“. Dort, wo einst ein kaiserliches Jagdrevier beheimatet war, entstand damals der Vorläufer des heutigen Würstelpraters. Erste Gastbetriebe wurden errichtet, Wirte siedelten sich an, Schaukeln, Ringelspiele und Kegelbahnen folgten. Und nach und nach hielt auch im altehrwürdigen Prater immer mehr Hightech Einzug.

„Die Technik bei den Fahrgeschäften wird immer besser", schwärmt Braun, der „den Prater im Blut" hat, wie er selbst stolz sagt. „Meine Großmutter hat vor 65 Jahren bei der Liliputbahn angefangen, mein Vater hat auch schon mit fünf Jahren erste Aufgaben übernommen und schaffte es am Ende bis zum Geschäftsführer. Und ich selbst habe bereits als 17-Jähriger begonnen, am Wochenende auszuhelfen. Der Weg war also vorbestimmt", sagt der gelernte Tischler.

Alexander Braun, Geschäftsführer des „Megablitz“ im Wiener Prater

Safety first

Bei einem Fahrgeschäft wie dem „Megablitz“ denkt man aber meistens nur an viel Spaß, bunte Lichter und laute Musik. Doch dahinter verbirgt sich tagtäglich harte Arbeit mit großem Aufwand: Safety wird dabei großgeschrieben, dementsprechend streng sind auch die Vorschriften. „Jeden Tag gibt es Sichtkontrollen, bei denen wir die Wägen heben und Räder inspizieren. Einmal pro Woche führen wir außerdem einen Rundum-Check durch. Zwei Stunden lang testen wir dabei alles ganz genau durch“, erklärt der „Megablitz“-Chef, der nicht nur jeden Millimeter seiner Bahn auswendig kennt, sondern auch jedes Geräusch. „Ich höre gleich, wenn zum Beispiel die Kette geschmiert gehört oder ein Kugellager Wartungsbedarf hat. Taucht ein komisches Geräusch auf, sperren wir aus Sicherheitsgründen vorübergehend die Bahn.“

Festo berät und begleitet

Um für das Thema Sicherheit bestmöglich gerüstet zu sein, hat sich Alexander Braun die Unterstützung von Festo geholt – vor allem in puncto Bremstechnik, dem Um und Auf bei einer Attraktion wie dem „Megablitz“. „Anders als bei einem Karussell bzw. Rundfahrgeschäft werden Achterbahnen nicht aktiv angetrieben. Man kann sie daher über den Antrieb auch nicht stoppen“, erklärt Thomas Weiß, Safety-Experte des Festo Technic and Applicationcenters und bereits ein altbekanntes Prater-Gesicht. Und so funktioniert’s: Zuerst werden die Wägen auf über 22 Meter in die Höhe gezogen. Dann werden sie losgelassen und sind ab diesem Zeitpunkt aufgrund des Eigengewichts hauptsächlich der Schwerkraft ausgeliefert. Nur an bestimmten Punkten ist es während der Fahrt möglich, mittels mechanischen Bremsen einzugreifen.

Thomas Weiß, System Engineering bei Festo Österreich.

Sicherheit hoch 4

Umso wichtiger ist die einwandfreie Funktion der Bremsen – besonders am Ende der Bahn. Zum Einsatz kommt deshalb eine pneumatische Lösung – ein interessantes, mehrkanalig ausgeführtes System: „Normalerweise setzt man hier oft Zylinder ein. Bei uns befinden sich jedoch in jeder Bremse Luftschläuche, die mit Druck versorgt werden müssen, damit aktiv gebremst werden kann“, sagt Alexander Braun. Konkret gibt es zwei Bremsbacken, die geöffnet werden. Fährt der Wagen durch den Spalt, werden die Bremsbacken mithilfe von sich aufblasenden Druckluft-Schläuchen zusammengedrückt. Schließlich kommt er zum Stillstand – und zwar mit höchster Sicherheit. Denn alles auf der Bahn, auf der eine zentrale Wartungseinheit MS6 und mehrere dezentrale Einheiten MS4 zum Einsatz kommen, ist mehrfach abgesichert.

Vier Mal – um genau zu sein: „Hinter jeder Bremse verbergen sich eigentlich vier Bremsen. Jede Bremse wird mit mehreren Sensoren separat überwacht und hat einen eigenen Luftspeicher mit einem Rückschlagventil. Damit immer noch drei da sind, falls einmal eine Bremse ausfallen sollte“, erklärt der Safety-Experte Weiß. Und da eine Blockstreckenüberwachung vorhanden ist, können auch die bereits weggeschickten Wägen im Problemfall auf der Strecke gestoppt werden, um eine Kollision zu vermeiden. Die optimale Ansteuerung der Druckluft-Schläuche übernehmen VUVS Magnetventile. Beheizte Schränke sorgen für das richtige „Wohlfühlklima“ in den Schränken mit der Ventiltechnik, selbst bei frostigen Temperaturen rundherum.

Braun und Weiß – ein gutes Team

„Unsere gemeinsam mit Festo entwickelte Lösung funktioniert im alltäglichen Betrieb perfekt. Wichtig ist dabei auch, dass man sie optimal einstellen kann, damit die Wägen nicht mit Vollgas abgebremst werden", sagt Braun, der für den Sicherheitsexperten von Festo lobende Worte findet: „Ich bin wirklich froh, dass uns ein Top-Mann mit so viel Know-how zur Seite steht. Da klappt die Zusammenarbeit einfach super und er weiß, worauf es ankommt.“

So kam es schließlich auch bei diesem Projekt, bei dem die komplette Technik der Anlage saniert wurde zum erfolgreichen Teamwork: „Das Fahrgeschäft hatte schon einige Jahre auf dem Buckel und auch die Pneumatik war bereits in die Jahre gekommen. Deshalb war es an der Zeit, alle Schlauchleitungen zu tauschen und die komplette Ventiltechnik zu erneuern“, so Braun. Und das hat durchaus Parallelen zu uns Menschen, denn man weiß heute, dass Achterbahnfahren aufgrund des ausgeschütteten Endorphins gut für die Gesundheit ist. Das haben bereits mehrere Studien belegt. Der Grund: Der Blutkreislauf und die Herzfunktion werden beim rasanten Auf und Ab stark angeregt, was wiederum Glücksgefühle hervorruft. So hält uns Highspeed fit. Gute und vor allem sichere Fahrt!

 

Für weitere Informationen zum Familienhochschaubahn Megablitz, klicke hier.

Hast du Fragen zur Maschinensicherheit? Dann kontaktiere unseren Sicherheitsexperten Thomas Weiß per E-Mail oder hinterlasse einen Kommentar unter dem Beitrag.

 

TEILEN UND EMPFEHLEN

Hinterlasse einen Kommentar

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.

Eingeschränktes HTML

  • Erlaubte HTML-Tags: <a href hreflang> <em> <strong> <cite> <blockquote cite> <code> <ul type> <ol start type> <li> <dl> <dt> <dd> <h2 id> <h3 id> <h4 id> <h5 id> <h6 id>
  • Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
  • Website- und E-Mail-Adressen werden automatisch in Links umgewandelt.